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Interview mit Marc Vermee

Die finanzielle Gesundheit des Kantonsspitals Glarus im Blick zu behalten – das ist die Aufgabe von Marc Vermee. Er leitet seit Juni 2011 die Abteilung Controlling & Codierung am Kantonsspital Glarus (KSGL). Als ausgebildeter Betriebsökonom mit langjähriger Erfahrung in der internationalen Medien- und Werbebranche bringt er nicht nur ein breites Fachwissen mit, sondern auch ein feines Gespür für Menschen und eine grosse Leidenschaft für seinen Beruf. Dieses Interview bietet einen Einblick in seinen vielseitigen und verantwortungsvollen Alltag als Leiter Controlling & Codierung.

Was genau ist das Controlling und die Codierung in einem Spital?

Das Controlling in einem Spital ist weit mehr als klassische Buchhaltung. Marc Vermee beschreibt den Unterschied so: «Die Buchhaltung schaut immer in die Vergangenheit. Sie dokumentiert Fakten. Das Controlling hingegen schaut in die Zukunft. Auf Basis von Zahlen und Daten sagen wir: So könnte das nächste Jahr aussehen. Oder: Jetzt müssen wir etwas unternehmen.» Er bezeichnet das Controlling als Navigationssystem des Spitals. Es zeigt auf, wohin die Reise geht, und hilft, rechtzeitig gegenzusteuern. Ein wichtiger Teil dieser Arbeit ist die medizinische Codierung. Jede Behandlung, die ein Patient im Spital erhält, muss genau erfasst und dokumentiert werden. Auf dieser Grundlage rechnet das Spital seine Leistungen mit den Krankenkassen ab. Dafür gibt es offizielle Tarifsysteme: Im Akutbereich heisst dieses System SwissDRG, in der Psychiatrie TARPSY. Sind die Daten unvollständig oder fehlerhaft erfasst, erhält das Spital von den Krankenkassen weniger Geld zurück, als ihm eigentlich zusteht.

Was macht ein Leiter Controlling & Codierung?

«Ich bin quasi der Hüter der Datenqualität», sagt Marc Vermee. «Wenn die Daten nicht stimmen, kann man nichts Sinnvolles auswerten.» Er verantwortet einerseits die medizinische Codierung, also die korrekte Erfassung aller Leistungen, andererseits das finanzielle Controlling: Budgetierung, Prognosen, Kostenanalysen und das monatliche Reporting an die Geschäftsleitung.
Besonders wertvoll findet er die Kombination beider Bereiche: «Wenn jemand nur das Controlling macht, sieht er zwar, dass Geld fehlt – jedoch weiss er nicht, wo es im Dokumentationsprozess verloren gegangen ist. Wer beides kennt, kann direkt zwischen der Sprache der Ärzte und der Sprache der Finanzen übersetzen.» Er agiert daher laut eigenen Angaben als Brückenbauer zwischen medizinischer Fachlichkeit und betriebswirtschaftlicher Steuerung. Hinzu kommt die Kostenrechnung nach dem Schweizer Standard REKOLE®, der vorschreibt, wie ein Spital seine Buchhaltung führen muss. Auch die Führung seines Teams liegt ihm am Herzen: «Ich bin eine kollegiale Führungsperson. Ich bin Teil des Teams, nicht darüber. Meine Aufgabe ist es, die richtigen Bedingungen zu schaffen, damit alle optimal arbeiten können.»

Welche Eigenschaften braucht man für diesen Beruf?

«Man braucht das Herz eines Teamplayers, den Verstand eines Mathematikers und die Präzision eines Chirurgen oder eines Sushi-Meisters», sagt Marc Vermee mit einem Lächeln. Neben einem Abschluss in Richtung Wirtschaft oder Rechnungswesen seien vor allem analytisches Denkvermögen und auch Kommunikationsstärke gefragt. Besonders wichtig ist für ihn die Fähigkeit, verschiedene Berufsgruppen in ihrer eigenen Sprache abzuholen: «Mit einem Arzt redet man anders als mit dem Pflegepersonal. Das muss man spüren.» Ebenso unverzichtbar sei die Neugier: «Im Gesundheitswesen ändert sich ständig etwas. Wenn man keine Freude daran hat, sich in neue, komplizierte Materien hineinzuarbeiten, ist man schnell aufgeschmissen.» Integrität, Loyalität und Belastbarkeit runden das Profil ab.

Was hat Sie dazu bewegt, sich auf das Controlling zu spezialisieren?

Marc Vermee begann seine Karriere in der Buchhaltung. Doch mit der Zeit wurde ihm klar: «Die Buchhaltung schaut immer zurück. Mich interessiert, was nach vorne geht und was in der Zukunft passiert. Was zum Beispiel in drei Jahren kommen könnte.» Das Controlling bot ihm genau diesen Vorwärtsblick.

Er beschreibt vier Punkte, die ihn bis heute antreiben:

  • Die Suche nach Struktur im Chaos: «Ein Spital ist komplex und manchmal unübersichtlich. Aus Daten eine verständliche Übersicht zu schaffen, ist wie das Mise-en-place beim Kochen. Die Vorbereitung muss stimmen, sonst geht am Ende gar nichts.»
  • Der Wunsch, hinter die Kulissen zu blicken: «Ich wäre früher gerne Detektiv geworden. Die Abweichungsanalyse, das Nachforschen, warum etwas nicht stimmt – das liegt mir.»
  • Die Herausforderung der Komplexität: «Das Schweizer Gesundheitswesen ist kompliziert. Viele schrecken davor zurück. Ich finde es spannend, sich darin zu vertiefen und einer der wenigen zu sein, die wirklich den Durchblick haben.»
  • Die Abwechslung: «Es gibt keinen Standard. Man begegnet immer wieder neuen Projekten und unerwarteten Situationen. Das finde ich enorm spannend.»

Was erfüllt Sie an Ihrem Beruf am meisten?

Für Marc Vermee ist es besonders erfüllend, wenn seine Arbeit direkt spürbare Auswirkungen hat. «Wenn die Geschäftsleitung auf Basis meiner Analysen entscheidet, in ein neues Medizingerät zu investieren, dann ist das ein schönes Gefühl. Ich bin nicht nur der Zahlenonkel, sondern derjenige, der mitbestimmt, wohin das Spital geht.»
Ebenso schätzt er es, Komplexität in Verständlichkeit zu verwandeln: «Wenn ein Chefarzt plötzlich versteht, wie seine Prozesse die Finanzen des Hauses beeinflussen, dann habe ich eine Brücke zwischen zwei Welten gebaut.» Und schliesslich motiviert ihn der Sinn seiner Arbeit: «Hier geht es nicht nur um Profit. Wenn wir solide wirtschaften, können wir in bessere Geräte investieren, mehr Personal einstellen und Patienten besser versorgen. Das gibt meiner Arbeit eine Bedeutung, die über Zahlen hinausgeht.»

Gibt es eine Erfahrung, die Sie bis heute prägt?

Marc Vermee nennt zwei prägende Erlebnisse. Das erste ist die erste REKOLE®-Rezertifizierung im Jahr 2014: «Das Spital wird dabei auf Herz und Nieren geprüft. Ich war damals stolz, dass wir das gemeistert haben. Seither haben wir alle vier Jahre die Prüfung bestanden. Das gibt einem Sicherheit und schärft den Sinn für Qualität.»

Das zweite ist der Aufbau der Controlling-Abteilung ab 2011: «Als ich anfing, gab es keine echte Abteilung, keine Strukturen, keine Ablage, gar nichts. Als Team haben wir innerhalb von fünf Jahren etwas aufgebaut, worauf ich wirklich stolz bin. Das ist etwas anderes, als wenn man in eine fertige Struktur einsteigt.» Diese Erfahrung habe sein unternehmerisches Denken geprägt: «Man muss wissen, wohin man will. Und dann auch aus dem Nichts etwas gestalten können.»

Was unterscheidet das KSGL von Ihrem vorherigen Arbeitgeber?

Von 2005 bis 2011 arbeitete Marc Vermee in Zürich für eine grosse internationale Medien- und Werbeagentur. Die Unterschiede zu seiner heutigen Stelle könnten kaum grösser sein. «Früher habe ich auf globaler Ebene gearbeitet, mit regelmässigem Austausch bis nach New York. Heute bin ich im Herzen des Kantons unterwegs. Das ist eine andere Welt.» Auch die Sprache hat sich verändert: «Vom Englischen ins charmante Glarnerdüütsch. Das ist persönlicher, näher, irgendwie auch herzlicher», sagt Marc Vermee lachend. Als grössten Unterschied nennt er den Gestaltungsspielraum: «In Zürich war alles vordefiniert. Vorlagen, globale Abläufe, wenig Eigeninitiative. Im KSGL gibt es Raum für eigene Ideen. Und gerade am Anfang, als fast nichts vorhanden war, war das für mich ideal.» Hinzu kommt der Teamgedanke: «Im Konzern zählt oft das Individuum. Hier merkt man, dass ein Spital nur funktioniert, wenn man wirklich als Team denkt und handelt. Das gefällt mir viel besser.»

Was hat Sie im Jahr 2011 dazu bewegt, ans KSGL zu kommen?

Die Antwort ist ehrlich und direkt: dreieinhalb Stunden Pendelzeit täglich. «Nach sechs Jahren war das einfach zu viel. Man verliert enorm viel Lebensqualität. Meine Söhne waren damals noch klein. Ich habe sie unter der Woche kaum gesehen.» Eine Kollegin machte ihn auf die Stelle am KSGL aufmerksam. Er bewarb sich sofort und wurde eingestellt.
Am 1. Juni 2011 startete er im Controlling. Was ihn bis heute hier hält? «Das Gesundheitswesen ist zwar komplex, aber genau das macht es spannend. Wenn ich überlege, wie viele Gesetzes- und Tarifänderungen in den nächsten Jahren noch kommen werden – ich glaube, hier wird es so schnell nicht langweilig.»

Was machen Sie in Ihrer Freizeit, um von der Arbeit abzuschalten?

Marc Vermee hat mehrere Leidenschaften, die ihn antreiben und entspannen:

Die erste ist das Motorradfahren. Als begeisterter Harley-Davidson-Fahrer unternimmt er mindestens einmal pro Jahr eine grosse Tour. Die Touren führten ihn durch die Alpen, den Schwarzwald oder Südengland. 2023 reiste er mit seiner Frau in die USA, fuhr durch die Umgebung des Yellowstone-Nationalparks und besuchte das legendäre Sturgis-Treffen in South Dakota, wo sich jährlich Hunderttausende Harley-Fahrer versammeln. Für dieses Jahr ist eine Tour durch die Alpen in Süddeutschland geplant.

Eine weitere Leidenschaft ist das Kochen, insbesondere die Zubereitung von Sushi. «Für viele klingt das nach Arbeit, aber für mich ist es pure Entspannung. Ich bin völlig in meiner Welt, wenn ich drei, vier Stunden in der Küche stehe und das Mise-en-place vorbereite.» Dabei kommt ihm sein Sinn für Präzision zugute – und sein Faible für Klingen.

Damit verbunden ist seine Begeisterung für Messer und Schwerter. Er besitzt eine Sammlung haarscharfer Sushimesser und erwarb letztes Jahr ein original japanisches Katana aus der frühen Edo-Periode: «Dieses Schwert ist über 400 Jahre alt und immer noch extrem scharf.»

Diese Faszination wurzelt in einer weiteren Leidenschaft, dem Kampfsport. Er trainierte Kendo, Naginata, Jiu-Jitsu und Iaido und nahm 1995 mit dem niederländischen Team an der Naginata-Weltmeisterschaft in Tokio teil. Ein persönlicher Höhepunkt, auf den er bis heute stolz ist.

Nicht zuletzt gilt eine grosse Leidenschaft seinen zwei Hunden, die er vor fast zwei Jahren aus Portugal adoptiert hat. «Die bringen so viel Freude ins Haus.» Besonders am Wochenende ist die Familie viel mit den Hunden unterwegs. Im Sommer steht ein Urlaub in Österreich an, in einem Hundehotel mit eigener Menükarte und Eisbar für die Vierbeiner. «Wie genial ist das denn!», sagt Marc Vermee und lacht.

Das Interview wurde durch unsere KV-Lernenden geführt. 

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Marc Vermee, Leiter Controlling & Codierung

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