Weitere Notfallnummern:

Meldeschema

  • Wer spricht (Name)?
  • Was ist passiert?
  • Wann ist es passiert?
  • Wo ist der Verunfallte?
  • Wie viele Personen sind betroffen?
  • Warten Sie auf Rückfragen – nicht auflegen.

Notfallstation Spital Glarus

Die Notfallstation des Kantonsspitals Glarus steht Ihnen 24 Stunden am Tag an 365 Tagen im Jahr zur Verfügung. 055 646 33 33

Gehörlosen Notruf App (Deaf Voice)

Wenn Sie sich in einem akuten Notfall befinden wenden Sie sich an eine hörende Person und rufen Sie die Nummer 144 um keine Zeit zu verlieren.

Interview mit Linda Schlittler

Zum vielseitigen Therapieangebot am Kantonsspital Glarus gehört neben der Physiotherapie und der Logopädie auch die Ergotherapie. Doch während die meisten Menschen ein gutes Verständnis dafür haben, was Physiotherapie und Logopädie sind, führt der Begriff Ergotherapie immer wieder zu fragenden Gesichtern. In diesem Interview bringt Linda Schlittler, Ergotherapeutin FH, Licht ins Dunkle und gibt einen Einblick in ihren vielseitigen und spannenden Arbeitsalltag als Ergotherapeutin im Kantonsspital Glarus.

Können Sie kurz erklären, was Ergotherapie ist?

Linda Schlittlers Erklärung variiert je nachdem wer fragt. Einer älteren Patientin, die stationär im Spital ist, erklärt sie ihren Beruf anders, als einem ambulanten Patienten nach einem Unfall oder einer Bekannten in ihrem privaten Umfeld. Zusammenfassend erklärt sie: «Wir unterstützen Menschen in ihrem Alltag, um Dinge wieder tun zu können, die sie Aufgrund von Unfall, Erkrankung oder Behinderung nicht mehr oder nicht mehr so gut machen können. Schlussendlich geht es auch immer um bedeutungsvolle Aktivitäten.» Was bedeutungsvolle Aktivitäten genau sind, ist sehr individuell. Für eine Person heisst das, sich wieder selbst anziehen zu können und für eine andere, das geliebte Musikinstrument wieder spielen zu können. Im Fokus stehen die Verrichtungen, die Patientinnen und Patienten können müssen, weil es gesellschaftlich so vorgegeben ist, oder weil sie sie können wollen.

Wie haben Sie sich dazu entschieden Ergotherapeutin zu werden?

«Ergotherapeutin ist tatsächlich mein zweiter Beruf. Zuerst habe ich eine Lehre als Pharmaassistentin in der Apotheke gemacht. Ich habe auch ein paar Jahre dort gearbeitet.» Im Laufe der Zeit merkte sie, dass sie gerne noch etwas anderes machen möchte, jedoch nicht, weil ihr der Beruf nicht gefallen hat. «Ich finde nach wie vor, Pharmaassistentin ist ein sehr schöner Beruf.» Dank der Empfehlung ihrer besten Freundin, wurde sie auf den Beruf der Ergotherapeutin aufmerksam. In dem grossen Spital, in dem ihre beste Freundin ihre Ausbildung auf der Pflege gemacht hat, arbeiteten auch Ergotherapeutinnen und -therapeuten. «Dort durfte ich die Ergotherapie auch anschauen und habe mich über den Beruf informiert.» Bis sie sich endgültig dazu entschied Ergotherapeutin zu werden, dauerte es jedoch noch eine Weile. Zuerst musste sie noch die Berufsmatura nachholen.

Heisst das, für Sie war schon von Anfang an klar, dass Sie im Spital als Ergotherapeutin arbeiten möchten?

«Ja.» Schon als Kind war Linda Schlittler fasziniert vom Spital. So wollte sie auch immer unbedingt Bekannte, die im Spital waren, besuchen. Selbst im Spital zu arbeiten war schon seit ihrer Kindheit ihr Traum. Lange wusste sie jedoch nicht, in welchem Beruf. Mit der Ergotherapie fand sie den passenden Beruf, um ihren Kindheitstraum zu erfüllen.

Wie wird man eigentlich Ergotherapeutin?

Ergotherapie ist ein dreijähriges Fachhochschulstudium. Voraussetzung dafür sind eine Matura und eine bestandene Aufnahmeprüfung. «Zu meiner Zeit war es noch eine zweiteilige Aufnahmeprüfung. Wie das aktuell ist, weiss ich nicht.» Hinzu kommt, dass man sogenannte Arbeitswelterfahrung benötigt. «Es kommt etwas auf die Vorbildung drauf an. Dadurch, dass ich meine Lehre schon im Gesundheitswesen gemacht hatte, war es bei mir so, dass ich ein zweimonatiges Vorpraktikum machen musste.» Für alle die zum Beispiel an der Kanti waren und das Studium machen möchten, ist die Arbeitswelterfahrung länger. Jedoch muss diese Erfahrung nicht unbedingt in der Ergotherapie gesammelt werden. Es ist

 

 

gbeispielsweise auch möglich, ein Pflegepraktikum zu machen.

Gehört zum Studium auch ein Praktikum?

«Das Studium besteht aus Theorie und Praxis.» Zum Praxisteil gehören auch drei Praktika, welche die Studierenden an drei verschiedenen Orten absolvieren. Typischerweise finden diese im zweiten und dritten Studienjahr statt.  

Welche Eigenschaften braucht es, um eine gute Ergotherapeutin zu sein?

Wie in allen sozialen Berufen, ist es auch in der Ergotherapie wichtig, empathisch zu sein. «Man muss den Umgang, die Zusammenarbeit mit Menschen gerne haben. Das Verständnis für Zusammenhänge sollte man mitbringen», erklärt die Ergotherapeutin. «Man muss Interesse am Menschen und an verschiedenen Gesundheits- und sozialen Themen mitbringen».

Wie sieht ein typischer Tag einer Ergotherapeutin im Spital aus?

«Sicher sehr abwechslungsreich.» Ein Tag endet nicht immer so, wie anfangs gedacht. «Wir haben ambulante und stationäre Patientinnen und Patienten vom Morgen bis am Abend, je nach Bereich, mit unterschiedlichen Diagnosen. Zwischendurch haben wir auch Teambesprechungen und interdisziplinäre Rapporte mit Ärztinnen und Ärzten, mit der Pflege und anderen Berufsgruppen.» Dadurch, dass die Ergotherapie auch mit stationären Patientinnen und Patienten arbeitet, ist eine gewisse Flexibilität notwendig. «Natürlich haben wir einen Plan.» Der Plan gibt vor, wer wann behandelt wird und an welchem Ort die Behandlung stattfindet. Manchmal ändert sich der Plan auch kurzfristig, beispielsweise wenn eine Person krank wird. «Wir wissen auch, dass die Patientinnen und Patienten auf der Station noch andere Termine haben, wie die Visite oder die Pflege. Vielleicht duschen sie gerade oder müssen aufs WC oder es geht ihnen nicht gut, dann müssen wir flexibel sein.»

Wie unterscheidet sich die Arbeit als Ergotherapeutin in einem Spital von der Ergotherapie in zum Beispiel einer Praxis?

«Gerade im Spital ist es schwierig die Arbeit zu verallgemeinern. Es gibt kleine Spitäler, wie wir eines sind, und dann gibt es grosse Unispitäler.» In grossen Spitälern haben sich die Ergotherapeutinnen und -therapeuten häufig auf einen Bereich, beispielsweise Neurologie oder Geriatrie spezialisiert. In einer Praxis ist das genau so: «Man ist eher auf einen Fachbereich spezialisiert.» So gibt es beispielsweise Ergotherapie-Praxen, die sich auf Handtherapie spezialisiert haben. Hier werden nur Menschen mit Verletzungen oder Erkrankungen der Hände versorgt. Anders ist das in einem kleinen Spital, wie dem Kantonsspital Glarus, denn hier machen alle alles, sie sind Allrounders. Was alle Spitäler von den Praxen unterscheidet, ist, dass im Spital sowohl ambulante als auch stationäre Patientinnen und Patienten behandelt werden.

Was ist das Schönste am Beruf der Ergotherapeutin?

«Das Schönste ist, den Menschen helfen zu können. Den Menschen helfen, ihren Alltag bewältigen zu können, sie zu unterstützen, wenn sie aufgrund einer Krankheit, eines Unfalls oder einer Behinderung eingeschränkt sind in ihrem Alltag. Und mit ihnen gemeinsam Lösungen zu finden oder etwas zu erarbeiten, was ihnen wichtig ist. Sie zu begleiten und dann auch zu sehen, dass sie froh und dankbar sind für unsere Arbeit.»

Gibt es Momente aus Ihrer bisherigen Laufbahn, die Ihnen besonders geblieben sind und die Sie teilen möchten?

«Wir hatten einmal eine ältere Patientin, die stationär hier war. Sie hatte starke Arthrose in den Fingern, also ganz dicke und unbewegliche Gelenke.» Die Frau habe für ihr Leben gerne gestrickt, erzählt Linda Schlittler weiter. An dem Freitagnachmittag, an dem die Patientin nach Hause gehen durfte, hatte das Behandlungsteam eine Idee. «Ich habe sie in einen Rollstuhl gepackt und wir sind hier hoch in den Hand-Raum gekommen.» Hier machen die Ergotherapeutinnen und -therapeuten Schienen für Patientinnen und Patienten mit Handbeschwerden. Linda Schlittler hat also kurz entschlossen aus weissem Schienenmaterial und einer Büroklammer einen Fingerring gemacht, damit die Patientin den Strickfaden nicht immer verliert. «Sie war so happy. Und zu einem späteren Zeitpunkt war sie noch einmal im Spital und hat immer noch von diesem Ring geschwärmt.»

Welche Mythen oder Vorurteile gegenüber der Ergotherapie gibt es, mit denen Sie gerne aufräumen würden?

Unter Fachpersonen oder auch im Studium, wo Ergotherapie, Physiotherapie und Logopädie viel Kontakt haben, sind die Ergotherapeutinnen und -therapeuten als Bastlerinnen und Bastler bekannt. «Ja, wir brauchen kreative Aktivitäten als Methoden in der Therapie, um eine Funktion zu üben. Nach aussen sieht das aus wie basteln und ist auch ein bisschen basteln, doch wir haben natürlich eine andere Überlegung dahinter, wieso wir das machen.»

Das Interview wurde durch unsere Praktikantin/Working Student Elina geführt.

17-10-23_KSGL_247.jpg

Linda Schlittler, Ergotherapeutin FH

  • Notfall
  • Besuchszeiten
  • Parkplätze
  • Cafeteria
  • Apotheke