Interview mit Bettina Kohls
Im Interview erzählt Bettina Kohls aus ihrem Berufsalltag als Logopädin und gibt spannende Einblicke in die vielseitigen Aufgaben und Tätigkeiten des Berufs. Sie berichtet über ihre persönlichen Erfahrungen, ihren Arbeitsalltag und die unterschiedlichen Menschen, die sie auf ihrem Weg begleitet. Dabei zeigt sie auf, wie abwechslungsreich und vielseitig der Beruf der Logopädie ist.
Die Aufgaben in der Logopädie sind vielseitig. In der Arbeit mit Erwachsenen gibt es mehrere Bereiche. Einerseits gibt es die Diagnostik von Schluckstörungen, deren Behandlung und z.B. die Anpassung der Kost. Ziel ist es, dass die Patienten sicher essen und trinken können. Ein weiterer Bereich ist die Sprachtherapie, die sich mit Wortfindungsschwierigkeiten, Lese- und Schreibschwächen oder Sprachverständnisproblemen befasst. Sprachtherapie wird beispielsweise nach einem Schlaganfall in der Logopädie angeboten. Ein weiterer Punkt sind Stimmstörungen. Hierbei geht es z.B. um Heiserkeit, mangelnde Ausdauer oder eine schmerzende Stimme beim Sprechen.
Was motiviert Sie über die Zeit im KSGL hinweg?
Frau Kohls arbeitet seit knapp dreieinhalb Jahren im Spital. Über diese Zeit hinweg fühlt sie sich sehr wohl hier. Ein grosser Grund dafür ist, dass sie ein tolles Team kennenlernen durfte und ihr die Zusammenarbeit und die Kommunikation mit den anderen Therapeuten, dem Pflegepersonal und den Ärzten wichtig ist. Sie meint: «Es macht mir Spass und ich arbeite sehr gerne hier!».
Wie sieht ein typischer Arbeitsalltag
von Ihnen aus, welche Herausforderungen begegnen Ihnen währenddessen?
Meistens hat sie ambulante Patienten, betreut aber auch stationäre Patienten. Ihre Aufgabe im Spital besteht vor allem darin, Schluckdiagnostiken durchzuführen. Mit den ambulanten Patienten hat sie feste Termine, «wie in einer Praxis», meint sie. Frau Kohls arbeitet aber nicht nur im Spital, sondern hat auch zwei halbe Tage, an denen sie im «Betreuten Wohnen» hirnverletzte Menschen in Walenstadt behandelt. Sie mag die Abwechslung, die die Arbeit dort mit sich bringt. Sie findet es gut, dass sie dadurch immer neuen Erfahrungen gegenübersteht und ihr Wissen erweitern kann. Da Frau Kohls als einzige Logopädin im Spital angestellt ist, ist es manchmal eine Herausforderung, wenn zum Beispiel mehrere Patienten gleichzeitig eine Behandlung benötigen und die Zeit dafür fehlt. Aber auch kleine, administrative Aufgaben dazwischen fressen teilweise viel Zeit.
Welche Eigenschaften braucht es, um eine gute Logopädin zu sein?
Als Logopädin sollte man Interesse am Kontakt mit Menschen haben. Man muss in der Lage sein, auch auf Patienten zu zugehen, die nicht sprechen können. Bei Patienten mit Schluckstörungen gibt es immer diesen Graubereich, in dem man nie genau sagen kann, ob das Schlucken gut funktioniert oder nicht. Das wiederum heisst, dass man ein gewisses Mass an Mut braucht, um mit solchen Patienten arbeiten zu können. Sicherheit gibt einem immer das Team um einem herum.
Was hat Sie dazu gebracht, den Beruf zu erlernen?
Frau Kohls hat in ihrer ersten Ausbildung Fremdsprachensekretärin gelernt. Während dieser Zeit merkte sie, dass ihr der Job als Sekretärin keinen Spass machte, sie aber weiterhin an Sprachen interessiert war. Aus diesem Grund informierte sie sich über die verschiedenen Berufe, die mit Sprachen zu tun haben. Da die Logopädie viel mit Sprachen, dem Sprechen selbst und der Kommunikation zu tun hat, ist sie über diesen Weg auf diesen Beruf gestossen. Das Thema «Schlucken» kam erst später in ihren Ausbildungsplan und ist mittlerweile der Hauptschwerpunkt in ihrem Alltag.
Was erfüllt Sie an Ihrem Beruf am meisten?
Am meisten ist es die interdisziplinäre Arbeit welche sie erfüllt und ihr am meisten Spass macht. Wenn man schwierige Fälle gemeinsam bearbeitet, bespricht und eine gute Lösung für den Patienten findet, stärkt dies die Zusammenarbeit. Natürlich ist es schön zu sehen, wenn Patienten Fortschritte machen, sei es in Bezug auf die Sprache, Freude am Essen oder die verbesserte Stimme, und sie dadurch mehr am Sozialleben teilhaben können.
Gibt es Erfahrungen, welche Sie gerne mit uns teilen würden?
Frau Kohls hatte einen Patienten mit schwerer Sprachstörung, der eigentlich nur «Kauderwelsch » redete. Sie meinte zu ihm: «Geben Sie nicht auf!» Zwei Jahre später klopfte dieser Patient an ihrer Türe und sagte: «Sie haben mich so motiviert, nicht aufzugeben». Natürlich hat er immer noch Schwierigkeiten mit dem Sprechen, aber er hat grosse Fortschritte gemacht. Eine weitere Patientin wurde von Bettina an den Aphasiechor vermittelt. Durch das Umfeld und den Chor hat diese Patientin so viel Freude gefunden, dass ihr das sprachlich sehr weitergeholfen hat. Es hat ihr geholfen, aus dem Tiefpunkt, in den sie durch die Sprachstörung geraten war, herauszukommen. Für die Logopädin ist es allgemein immer herzerwärmend, wenn die Patienten nach ihrer Therapie die Klinik wieder sprechend und essend verlassen können. «Für mich ist das mein Highlight».
Was unterscheidet das KSGL von Ihren früheren Arbeitgebern?
Früher hat Frau Kohls in einer Rehaklinik in Berlin gearbeitet. Der Ablauf war dort deutlich anders als im Spital und man hatte weniger Zeit für die Patienten. Da die Bevölkerung in Berlin um einiges grösser ist als in Glarus, war dementsprechend auch viel mehr los.
Was hat Sie im Jahr 2023 dazu gebracht, ins KSGL zu kommen?
Nach der Zeit in Berlin arbeitete Frau Kohls zwei Jahre in Valens. Nach diesen zwei Jahren wünschte sie sich eine neue Herausforderung und stiess bei ihrer Stellensuche auf das KSGL. Für sie war der Kantonswesel eine Chance zur Neugestaltung. Da es im Spital längere Zeit keine Logopädie gab, musste sie sich erst wieder etablieren und bekannt machen. Genauso musste sie Abläufe auffrischen und neue Dinge, wie z. B. die Anwendung von Cayenne in der Behandlung von Schluckpatienten oder die IDDSI-Koststufen, die International genutzt werden, einführen.
Was machen Sie in deiner Freizeit als Ausgleich?
In der Freizeit ist sie im Damenchor Chursüd als Sängerin aktiv sowie auch im Vorstand tätig. Neben dem geht sie auch gerne in die Berge, wenn kein Schnee liegt. Sie mag es, in der Natur zu sein, Fahrrad zu fahren und zu wandern.
Was würden Sie an Personen, welche den Beruf «Logopädin» erlernen möchten, auf den Weg geben?
Logopädie ist ein vielseitiger Beruf, in dem man sowohl mit Kindern als auch mit Erwachsenen arbeiten kann. So gibt es in beiden Bereichen viele Möglichkeiten, diesen Beruf auszuüben. Ihrer Meinung nach ist es ein sehr spannender Beruf, der einem immer wieder neue Aspekte bietet. Sie sagt, «Man kann den Beruf immer wieder neu entdecken».