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Im Gespräch mit Bernadette Brieskorn

Werdende Eltern durch Schwangerschaft und Geburt zu begleiten, das ist die Aufgabe von Bernadette Brieskorn. Sie leitet seit Juli 2025 die Familienabteilung am Kantonsspital Glarus. Als ausgebildete Hebamme mit internationaler Erfahrung in England und Österreich bringt sie nicht nur medizinisches Fachwissen mit, sondern auch viel Verständnis für die Menschen, die sie betreut, und eine grosse Leidenschaft für ihren Beruf. Dieses Interview bietet einen Einblick in ihren vielseitigen und verantwortungsvollen Alltag als Hebamme.

Was genau ist die Aufgabe einer Hebamme?

Eine Hebamme begleitet Frauen vor, während und nach der Geburt. Sie überprüft den Gesundheitszustand der werdenden Mutter und ihrem Kind, steht bei Fragen zur Verfügung und betreut die werdenden Eltern von medizinischen Kontrollen über emotionale Unterstützung bis hin zu praktischer Beratung rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett. Am KSGL übernehmen die Hebammen insbesondere ab der 36. Schwangerschaftswoche die regelmässigen Kontrollen. Dabei werden unter anderem die Herztöne des Kindes überprüft, das Gewicht der Mutter kontrolliert und der allgemeine Verlauf der Schwangerschaft beobachtet.

Bernadette Brieskorn beschreibt ihre Arbeitsweise so: «Wir Hebammen sind die Expertinnen für den gesunden (physiologischen) Verlauf von Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett. Unser Fokus liegt auf der Förderung der natürlichen Prozesse, doch wir behalten die Pathologie immer im Hintergrund, um kleinste Abweichungen rechtzeitig erkennen zu können.» 

Ein wichtiger Teil ihrer Arbeit ist das Gespräch. Sie nimmt sich Zeit für die Frauen und bietet ihnen Raum über ihre Erwartungen, Ängste und Sorgen rund um die Geburt  zu sprechen. Durch das Zuhören können werdende Mütter gestärkt werden, damit sie selbstbewusst in die Geburt gehen können. Zudem wird den Frauen gezeigt, wie sie mit Atemtechniken, Entspannungsübungen und gezielten Bewegungen mit den Wehen umgehen und Sicherheit gewinnen können.

Während der Geburt begleitet die Hebamme den gesamten Prozess von Anfang bis Ende. Sie unterstützt dort, wo Hilfe benötigt wird, hält sich aber bewusst im Hintergrund, wenn alles gut verläuft. Bernadette Brieskorn sagt dazu schmunzelnd: «Die langweiligsten Geburten, wo man nichts machen muss, sind eigentlich die schönsten Geburten.» Für sie ist es besonders wertvoll, wenn die Frau die Geburt aus eigener Kraft erlebt. «Die Frau macht alles selber – und das ist auch das Schönste», betont sie. Die Geburt soll für allen Beteiligten als ein getragenes, positives Erlebnis in Erinnerung bleiben.

Auch nach der Geburt bleibt die Hebamme eine wichtige Bezugsperson. Im Wochenbett bis etwa acht Wochen nach der Geburt unterstützt sie die Familie beim Ankommen im neuen Alltag, beim Aufbau der Bindung zum Kind und beim Stillen. Die Eltern sollen so gestärkt werden, dass sie sicher und selbstständig in den Familienalltag starten können.

Was macht eine Hebamme im Arbeitsalltag?

Bernadette Brieskorn beschreibt ihr Fachwissen bildlich: «Der Hebammenwissenskoffer ist gross, aber wir packen nicht jedes Mal alles aus.» Die Betreuung wird individuell angepasst, je nachdem, was die Frau gerade braucht. Der Alltag kann jedoch sehr unterschiedlich sein. Neben geplanten Schwangerschaftskontrollen kann jederzeit eine Geburt stattfinden. «Dann müssen wir jonglieren zwischen Kontrollen und Geburten», erklärt sie. Das erfordert Flexibilität, gute Organisation und eine enge Zusammenarbeit im Team.

Welche Eigenschaften braucht es für diesen Beruf?

Empathie ist eine der wichtigsten Voraussetzungen. «Man muss die Frauen ernst nehmen», betont sie. Es sei entscheidend, ihnen zuzuhören und auf ihre Bedürfnisse einzugehen. Gleichzeitig beschreibt sie die eigene Rolle sehr klar: «Man ist das fünfte Rad am Wagen.» Die Familie steht im Mittelpunkt, die Hebamme begleitet im Hintergrund.
Ebenso wichtig sind Ruhe und Gelassenheit. «Wenn ich in Panik gerate, überträgt sich das sofort», sagt sie. Deshalb sei es entscheidend, auch in schwierigen Situationen ruhig zu bleiben. Transparenz spielt ebenfalls eine grosse Rolle: Die Hebamme erklärt stets, wo man im Prozess steht und was als Nächstes passiert, um Sicherheit zu vermitteln.

Was hat Sie dazu bewogen, Hebamme zu werden?

Bernadette Brieskorn erzählt lachend von einem frühen Kindheitserlebnis: «Ich habe einmal gesagt, ich will Mutter werden.» Heute sieht sie ihren Beruf als eine Möglichkeit, andere Frauen auf diesem Weg zu begleiten.
Schon früh interessierte sie sich für einen Beruf im Gesundheitswesen. «Ich wollte mit gesunden Menschen oder mit Kindern arbeiten», sagt sie. So wurde der Beruf der Hebamme für sie immer konkreter. Sie absolvierte ihre Ausbildung in England, lebte und arbeitete anschliessend auch viele Jahre in England. Später zog sie nach Österreich, wo sie im Bachelor-Hebammenstudiengang unterrichtete.

Was erfüllt Sie an Ihrem Beruf am meisten?

Für sie ist es besonders erfüllend, Familien in dieser bedeutenden Lebensphase zu unterstützen. Ein entscheidender Augenblick ist für sie erreicht, wenn Eltern nach der Geburt zurückblickend sagen, dass sie sich gut begleitet gefühlt haben. «Mir liegt am Herzen, dass Familien das Gefühl haben, bei uns in guten Händen gewesen zu sein», betont sie. Selbst wenn nicht alles nach Plan verläuft, steht für sie im Vordergrund, dass die gesamte Erfahrung als positiv wahrgenommen wird.

Gibt es Erlebnisse, die Sie geprägt haben?

«Ganz viele, jede Geburt ist einzigartig», sagt sie. Einen besonderen Moment beschreibt sie so: Wenn die Eltern ihr Kind zum ersten Mal sehen, herrscht eine Stimmung von überwältigender Liebe, Staunen und Ehrfurcht.  Dieser Augenblick berührt sie jedes Mal aufs Neue. «Ich bekomme immer wieder Gänsehaut», erzählt sie.
Was unterscheidet das KSGL von früheren Arbeitsorten?
Ein grosser Unterschied liegt in der Grösse. «In England arbeitete ich in zwei Spitälern mit je 6’000 Geburten pro Jahr, hier sind es etwa 270», sagt sie. Besonders schätzt sie die persönliche Atmosphäre in den Teams und gegenüber den Familien. 

Das Gespräch wurde durch unsere KV-Lernende Nuria geführt.

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Bernadette Brieskorn, Leiterin Familienabteilung

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